Tag 4. Podgorica und der Skadarsee
Am nächsten Tag wollten wir der wenig bekannten Hauptstadt Podgorica einen Besuch abstatten. Leider war das Wetter nicht so gut wie an den Tagen davor. Trotzdem machten wir uns auf den Weg. Aus Versehen erwischten wir aber leider den Weg durch die Berge, was angesichts des nahenden Gewitters sehr unangenehm war.
Trotzdem erreichten wir nach etwa zwei Stunden die „langweiligste Hauptstadt Europas“. Trug sie diesen Titel zurecht?
Ich hatte mir vorher im Internet Sehenswertes herausgesucht, aber nicht allzu viel gefunden.
So fuhren wir zuerst in den ältesten Teil der Stadt, der zwar nicht spektakulär aber doch ganz nett anzusehen war. Dort besuchten wir auch eine durchaus sehenswerte Moschee.
Auch ein recht hübscher Park mit einem Reiterdenkmal, in dem sich eine alte, steinerne Brücke, die Osmani-Brücke, befand, gefiel uns recht gut.
Absolut sehenswert war auf jeden Fall die orthodoxe Kathedrale. Ihre weiße Front fällt sofort auf.
Besonders beeindruckend ist sie aber im Inneren und ich empfehle jedem Besucher, sie sich anzusehen.
Wir fuhren dann weiter ins Zentrum der Stadt. Rund um einen zentralen Platz befinden sich hier zahlreiche Lokale und Geschäfte, darunter auch ein Hard Rock Café.
Tatsächlich habe ich noch nie so viele Hard Rock Cafés gesehen, wie in Montenegro. So kam mein Sohn natürlich wieder zu neuen T-Shirts und Kühlschrankmagneten für seine Sammlung.
Als wir gerade geparkt hatte, begann es wieder in Strömen zu schütten.
Darum suchten wir uns einen Platz in einem netten Lokal, wo wir Kaffee und Kuchen bestellten und die Umgebung im Regen beobachteten, was irgendwie doch recht romantisch war.
Anschließend spazierten wir noch zur Fußgängerzone, inzwischen hatte es aber wieder zu regnen begonnen, sodass diese recht ausgestorben wirkte. Bei schönem Wetter ist das aber sicher schon eine hübsche Gegend.
Mein Fazit also: Ich sage schon immer, wenn man ein Land kennenlernen will, sollte man auch die Hauptstadt ansehen. Podgorica ist sicher nicht die spannendste Stadt, die ich je gesehen habe, sie hat aber durchaus Potenzial. Es würde mich nicht wundern, wenn sie sich in den kommenden Jahren noch mehr herausputzt, um für den Tourismus interessanter zu werden. Ich werde die Entwicklung sicher beobachten.
Derzeit macht aber gerade das Fehlen der Touristen sie interessant, so bekommt man einen guten Eindruck vom echten Leben der Menschen des Landes.
Als der Regen endlich schwächer wurde, beschlossen wir weiterzufahren. Roller und Regen sind nicht die beste Kombination.
Da nun das Wetter laufend besser wurde, beschlossen wir – wie eigentlich geplant – doch noch zum Skadarsee zu fahren.
Nach Virpazar, einem kleinen Dorf am Ufer des Sees, von wo aus man Bootstouren buchen kann, war es nicht weit.
Als wir dort ankamen, lachte tatsächlich wieder die Sonne vom Himmel und wir fanden einen Stand, wo Tickets für eine Tour verkauft wurden.
Auf dem Boot waren wir fast alleine, da an diesem Tag aufgrund des Wetters kaum jemand eine Bootstour gebucht hatte – welch ein Glück für uns!
Die Fahrt über den schier endlos scheinenden See war wunderbar.
In der Ferne konnten wir die Küste Albaniens sehen, was sofort Erinnerungen an den Traumurlaub vor einem Jahr in uns aufkommen ließ.
Die Fahrt ging durch Schilfgürtel, vorbei an einer Ruine. Im Hintergrund ragten hoch die zerklüfteten Berge auf.
Die Landschaft wirkte wie aus einem Märchenbuch.
Unterwegs sahen wir auch zahlreiche seltene Vögel und unser Bootsführer kannte alle ihre Namen in mehreren Sprachen. Überhaupt machte er das Abenteuer durch seine Expertise und Liebe zu der Landschaft noch einzigartiger und besonderer.
Nach mehr als einer Stunde Fahrzeit legten wir schließlich an einem Strand an. Dort gab es auch ein Restaurant, das aber leider geschlossen war. Vermutlich hatten die Betreiber angenommen, dass aufgrund des Wetters keine Boote mehr anlegen würden – schade!
Trotzdem blieben wir eine Zeit lang an dem Strand und hatten auch die Möglichkeit im See zu schwimmen. Das war traumhaft!
So verbrachten wir eine wunderbare Zeit am und im Wasser.
Die Sonne zeigte sich nun auch wieder von ihrer besten Seite.
Auf dem Rückweg querten wir dann noch ein Seerosenbeet, wo der Schiffsführer wundervolle Fotos von uns machte.
Nach etwa zwei Stunden war die Fahrt dann wieder zu Ende. Es war eine der besten Bootstouren die ich je unternommen habe und ich würde sie jedem empfehlen, der in der Gegend ist.
Schließlich war es Zeit zurückzukehren. Die Rückfahrt verlief recht angenehm bei schönem Wetter. Diesmal nahmen wir den richtigen Weg durch den relativ neuen Tunnel, der die Fahrzeit deutlich verkürzte.
Den Tag ließen wir in dem wundervollen Restaurant ausklingen, wo wir am ersten Tag zu Mittag gegessen hatten. Das Essen war wieder herrlich. Müde und glücklich fielen wir ins Bett.